Seit geraumer Zeit verstellen Rednertische im Kleinformat Hauseingänge, Strassenzüge, Treppenabgänge, Terrassen. Man trifft auf sie beim Einkaufen, Nachhausekommen, Indenausganggehen, Spazieren, Wandern, Fahrradfahren, Aufdenzugeilen, Überzeitungsständerfluchen, betrunken Druchdiegassenschwankend, bekifft Übersinnundunsinnderweltsinieren. Die putzigen Metalldinger sind die Extremitäten des Kindes welches aus der medialen Gebärmutter von Sacha Wigdorovits hervorkam. („Ach, wie süss! Guliguliguuu! Agugugu! Guguuseli Dada! Ist denn die Geburt gut verlaufen? Oh, schau mal wie es meinen Finger greift!“)Punkt CH wurde es getauft und ist die zweite tragbare Litfasssäule aus Zeitungspapier im Deutsch sprechenden Teil der Schweiz. Trotz des geringen Alters finden sich bereits Charakterzüge eines Teenagers oder auch richtig altkluges eines Erwachsenen. Teenager insofern, dass man sich einfach nicht darauf verlassen kann, ob der tabloide Bengel überhaupt auftaucht. Oder ist es doch Zuverlässigkeit? So scheint das in vielen Haushalten, bei mir noch vor dem Haus stehende Metalltischlein im latexschen Fetischkleid zuverlässig leer zu bleiben. Der einzige Tag an dem dies zu funktionierte war der Tag der Lancierung. Wäre auch allzu peinlich gewesen eine Zeitung ohne eine Zeitung zu lancieren…Wie auch immer. Die Idee mich bereits beim Verlassen des Hauses mit einem Alibi auszustatten, welches mich später im überfüllten Zug vor unangenehmen morgendlichen Blickkontakten rettet, scheint Sinn zu machen.Es muss nicht generell um ein Alibi zu handeln. Verallgemeinere ich, als einer der Nötigungsopfer, welcher aus genanten Gründen zum Konsum von 20 Minuten gezwungen wird, auf alle Gratiszeitungen, so würde ich nie ein gleiches Produkt mit qualitativ höher stehendem Inhalte erwarten. „Pfff…diese Gratiszeitungen! Sind alle gleich, die! Ruedi, bring mer no eis…“ Widererwarten, konnte ich feststellen, dass Punkt CH inhaltlich wie auch äusserlich „20 Minuten“ erheblich übertrifft. Kaum Paris Hilton, kaum Messerstechernews, kaum Titelseiten mit Dekolletés oder krassen Typen vom freestyle.ch. Das Druckerzeugnis zeigt sich erstaunlich gebildet. Es ist noch keine NZZ, auch kein Tagi, aber mit nüchternen Nachrichten von internationalen Konflikten und Inlandspolitik, fühlt sich mein leerer Morgenmagen geschmeichelter als wenn ich mein Hirn mit medialem Redbull überschütten würde.Herausgeber und Verleger ist der oben genannte Sacha Wigdorovits. Seines Zeichens Werber, Kommunikationsfachmann und Penetrator von Ingrid Deltenre. Kritiker der Penetrierten werfen ihr vor, von ihrem Lieben in ihrer Führung ständig beeinflusst zu werden. Ist kaum anzunehmen. So beschreitet doch SF DRS eher den Pfad des „20 Minuten“ mit Sendungen wie „Stunt Hero“ oder „Lost“. Vielleicht SOLLTE er mal Einfluss nehmen. Oder beeinflusst sie nun im Gegenzug ihn in der Gestaltung der Zeitung? Oder leiden die beiden ganz einfach am „Hans-im-Schnäggäloch-Syndrom“. Er hätte lieber das Fernsehen und sie lieber die Gratiszeitung. Doch lassen wir den Deltenre/Wigdorovits’schen Haushalt in Ruhe und erfreuen uns an einer kostenlosen Alternative zu „20 Minuten“. Der Kampf Gummibärli gegen Schwarzwäldertorte.Lieber Sacha Wigdorovits, ich möchte Dir hiermit zu einer gelungenen Zeitung gratulieren. So greife ich jeden Morgen voller Vorfreude mit grosser Sicherheit ins Leere! Hey, Vollaff! Sorg mal dafür, dass dein Saublatt ausgeteilt wird und ich nicht gezwungen bin über Lindsay Lohans Abbruch des Rehaaufenthalts zu diskutieren. Sonst muss ich dann bald zu „News“ (der baldige Dritte im Bunde) greifen.Freundliche GrüsseDr. Klinken
September 28, 2007
Auch Punkt CH hat man in 20 Minuten gelesen
September 26, 2007
Schafe sind so zottlig

Seit Montag wird die hauseigene Ziege der SVP vermisst. Sie hört auf den Namen Zottel. Christoph Mörgelis Forderung an alle Parteimitglieder, bei der Suche zu helfen stiess auf breite Unterstützung. An der Suche hätten sich sogar PNOS-Mitglieder beteiligt, obwohl man diese eigentlich nicht angesprochen hätte, meinte Mörgeli weiter. Man wolle ja niemanden hindern einem Aufruf der SVP Folge zu leisten. Gesucht wurde als erstes im Bürerwald. Er äusserte im Interview den Verdacht, es handle sich beim Verschwinden von Zottel um eine hinterlistige Verschwörung der in der Schweiz wohnhaften Ausländer. Weiter wurde Mörgeli ausfallend indem er wütend anfügte, dass Zottel wahrscheinlich zu so einem anatolischen Fleischspiess verarbeitet worden. Der lokale Kebabspezialist Yildirim teilte mir nach Rücksprache mit dem Hersteller Royal Döner mit, dass zwar sowohl schwarze wie auch weisse Schafe, jedoch keine Ziegen für den Kebabspiess verarbeitet würden. Eine Stichprobenkontrolle des Gesundheitsamtes, verteilt über die ganze Schweiz, konnte Mörgelis Verdacht ebenfalls nicht bestätigen.
September 25, 2007
Fuuuuck!

Mir ist etwas Schreckliches klar geworden. Selbst der netteste, linkste, sozialste, antifaschistischste, Hippie hat unter dem langen, vollen und wallenden Haar auch nur eine Glatze!
September 23, 2007
Auf zum Atem

Atombombe oder Atembonbon
Stellen Sie sich mal vor, dass in der gesamten Geschichte der Menschheit das Wort Atombombe mit dem Wort Atembonbon verwechselt wurde. Man bedenke der Unterschiede der Konsequenzen und des geschichtlichen Verlaufs! Man stelle sich vor: Enola Gay hätte nur ein Atembonbon abwerfen sollen…Der Iran strebte nur nach dem Atembonbon…Klein Ruedi erhielte von der Grossmutter eine Atombombe als Belohnung für die guten Schulnoten! Schrecklich. Naja, nichts würde wohl schlechten Atem besser bekämpfen als eine Atombombe in den Mund gesteckt. Oder nicht?
Sounds good, doesn’t it?

Der Tontechniker ist ein Wesen, welches sich zu später Stunde vornehmlich in Clubs, Bars, Discohäusern, an Openairfestivals und Konzerten seiner, was immer das auch sein mag, Tätigkeit nachgeht. Vornehmlich im Pop, Rock und Hiphopgeschäft. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine eifrige Person, gerne in schwarz gekleidet mit strengem Blick, welcher im Normalfall von einer schwarzrandigen Brille umrahmt ist, wie sie an Vernissagen frequentiert auftaucht, und strahlt die Macht einer grauen Eminenz aus, die sich ihrer Macht sehr bewusst ist. Unantastbar.
Der Tontechniker bewegt sich quick und auf leisen Sohlen durch die Hallen der Musikpaläste und erteilt seinen Untertanen kurze und klare Anweisung. Den aussenstehenden Beobachter ereilt irgendwie und unbewusst ein Gefühl von Schuld. Ein Gefühl, schlimmer als wenn schon wieder die Mutter anruft was uns daran erinnert, dass wir uns doch letzt Woche melden wollten. Dankbar soll man sein, dass jemand dafür sorgt, dass die Band überhaupt zu hören ist. “Der Tontechniker fummelt und schaltet in einem abgesperrten Revier, welches nie ein Mitglied des bezahlenden Pöbels je betreten dürfte. Wie ein CEO und Verwaltungsratspräsident in einem. Vasellas der Musik sozusagen. Er ist sich seiner Position sooo sicher. Er geht an den wartenden Schlagen vor der Kasse vorbei, als wäre er der Leadsänger selbst. Der Ort gehört ihm. Was wäre denn die beste Band der Welt ohne den Tontechniker. Arrogante Säcke! Niemand weiss wirklich ob es den Tontechniker wirklich braucht. Er steht da, verschiebt Riegel und drückt auf Knöpfe und dirigiert im Vorfeld des Auftritts die Band herum als arbeitete er in Augsburg…niemand hört die Unterschiede der Tonqualität. Ein Schildbürgerstreich sondergleichen. Gleich daneben sitzt zusammengekauert der verstossene Lichttechniker am meist um Welten kleineren Schalttisch oder wie das Ding auch heissen mag, und tut wenigstens etwas, was der Zuschauer bemerkt. Aber wer wagt es schon den Tontechniker zu entfernen? Wer weiss denn schon, welche Konsequenzen dies hätte? Vielleicht nichts. Gar nichts. Der Tontechniker ist vielleicht der nicht entzündete Blinddarm. Wer entfernt den, solange er nicht schmerzt? Niemand. Niemand würde überhaupt je nachfragen ob es den Tontechniker überhaupt braucht. Der männliche Nippel des Samstagabends. Der Lattemacchiato der Ausgangsszene.
Ihr Dr. Klinken
September 12, 2007
Drogen und Politik
Der aktuelle Wahlkampf verursacht Migräne und es schreit nach Auflockerung. Drogen könnten sicher dazu beitragen. Mein guter Freund Peter Griffin zeigt es uns im Selbstversuch.
September 11, 2007
Todmüde

„Wie kann ich ihnen dienen?“ fragt der streng dreinblickende Arzt in einem schroffen Ton. „Ich kann seit mehreren Tagen nicht mehr schlafen obwohl ich müde bin.“ antwortet der Patient, der mit schweren Augen soeben im knarrigen, schwarzen Ledersessel platzgenommen hat. „Hm“ gibt der Arzt von sich. „Haben sie versucht Schafe zu zählen?“ fragt der Arzt. Der Patient bejaht dies. „Haben sie versucht ein Buch zu lesen?“ bohrt der Arzt weiter. „Ja.“ „Eine Ausgedehnten Spaziergang?“ Der Patient wirft dem Arzt einen verwirrten Blick zu. „Haben sie es mit einer Tasse Tee probiert?“ Der Patient nickt niedergeschlagen. „Hm. Wenn sie in zwei Tagen noch nicht schlafen können, kommen sie wieder und ich gebe ihnen ein Schlafmittel. Guten Tag!“
Verwirrt schlurft der Patient in den Todestrakt zurück und versucht nicht an die morgige Hinrichtung zu denken.