
Wie lange dauert es noch, bis wir den Boden unseres zivilisierten Daseins erreicht haben? Wir nähern uns als gesellschaftliches Ganzes in grossen Schritten dem primitiven Ding, welches aus dem Wasser kroch, von den Bäumen stieg oder meinetwegen auch wie dem es Gott aus Lehm oder Rippen schuf, und entfernen uns in derselben Geschwindigkeit von der Vernunft. Dem vernünftigen Dasein, welches uns ein modernes Zusammenleben ermöglicht. Wer mit Menschen in Kontakt tritt, stellt fest, dass die Leute immer mehr Ängste äussern. Sei es vor Ausländern, Jugendlichen, fremden Fürsten, heimlichen Weltregierungen, Illuminaten, Freimaurern, Hooligans, Terroristen, CIA, etc. Verschwörungstheorien freuen sich einer grösseren Beliebtheit als Desperate Housewifes oder Bioprodukte. Bücher von Dan Brown finden reissenden Absatz. Die Liste der zu befürchtenden Gruppierungen und möglichen Ereignissen scheint nicht enden zu wollen. Überall scheinen Täter zu lauern, Gefahren an jeder Ecke. Menschen suchen nach Antworten und Sicherheit und strecken dabei ihre Hände aus nach alle was in irgendeiner Weise einen rettenden Ast erinnert. Bücher, Religionen, Überwachungskameras,…es muss doch einen oder mehrere Schuldige geben! Ich bin gut; ergo muss jemand anders böse sein. Hm.
Woran mag das liegen, dass die Menschen die kleine Stimme im Kopf, die sagt, dass eigentlich alles in Ordnung ist, ignorieren und stattdessen SVP wählen? Ich würde nie behaupten, dass wir in einer heilen Welt ohne Gefahr und Kriminalität leben. Das taten wir auch noch nie. Zu Beginn des menschlichen Daseins beknüppelten wir uns mit Holzkeulen, im Mittelalter war es unvorteilhaft weiblich und rothaarig zu sein und vor siebzig Jahren äusserte man seine freie Meinung solange, bis man den Zug bestieg. Oneway. Soviel zur gefährlichen heutigen Welt. Gefahr lauert tatsächlich überall. Im Strassenverkehr, Zuhause, im Zigarettenpaket, in der Flasche, in Form der Bequemlichkeit, etc. Und ja, es gibt Terrorismus, Kriminelle, gewalttätige Fussballfans. De Facto zeigen jedoch die Kriminalitätsstatistiken, dass die Kriminalität abnimmt. Woher also diese Angst?
Sind die Medien an den Ängsten der Menschen schuld? Stoooooopp…schon begehen wir denselben Fehler! Wir suchen einen Schuldigen der uns Nachts nicht mehr schlafen lässt. Es ist in demselben Mass die Schuld der Medien, dass ich mich ängstige, wie es McDonald’s Schuld ist, dass ich übergewichtig bin. Was jedoch feststeht ist, dass sich die SVP an der Spitze dieser Hexenjagd stellt und den Pöbel zielgerichtet zu den Leuten führt, welche unsere Brunnen vergiften und dafür sorgen, dass unsere Kälber Fehlgeburten erleiden. „Ah, hier wohnen die Sündenbocks. Schau dir nur mal deren Garten an.“ Die SVP schürt aus wahltaktischen Gründen diese Ängste noch mehr. Die Weltwoche und regionale Kleinzeitungen, namentlich die St. Galler Nachrichten tragen ihren Teil dazu bei, dass Rassismus wieder sehr salonfähig geworden ist. Im Sinne von: „ich sag ja nur was Blocher und die Weltwoche sagt“. Hören sie sich doch mal um! Es ist wieder sehr o.k. gegen Ausländer zu fluchen.
So genug gequatscht. Köppel, Mörgeli, Welte; ihr könnt mich mal am Arsch lecken!
In diesem Sinne
Dr. Klinken