
Nun ist es endlich geschafft. Der Zirkus und seine Freaks haben ein Ende. Ich spreche hier nicht von einem Zirkus, der kleine Kinder und im Ausnahmefall noch deren Eltern an einem verregneten Samstagnachmittag in einem grossen, müffelnden Zelt mit kalten Sitzen und nervtötender Musik erfreut. Nicht der Zirkus, wo am Eingang ein kleinwüchsiger Clown Programmhefte verkauft und dem belustigten Besucher manchmal das Portemonnaie entwendet wird, um es dann unter erstauntem Gelächter während der Vorstellung in der Manege vom „Klaukünstler“ wieder abholen zu müssen. Ich meine nicht den Zirkus, der meinen Argwohn und meine Abneigung gegenüber Clowns verstärkte. Nein, ich spreche vom alljährlich wiederkehrenden Sommerprogramm des Schweizer Fernsehens.
„Saläweidli“, „Schule wie vor 50 Jahren“ und jetzt „Die Pfahlbauer von Pfyn“. Wie langweilig die Namen zu den noch langweiligeren Sendungen nur schon klingen. Ein Ideenreichtum wie DJ Bobo, wenn er eine neue Platte tauft. Gewöhnliche Menschen, die sich im Rahmen eines „Experiments“ in Kleidung und Rolle der entsprechenden Zeit werfen, um mit dem Elan eines neuen Turnlehrers für Oberstufenschüler den authentischen Aufgaben widmen. Der enttäuschte Zuschauer muss dann leider feststellen, dass die Hoffnung auf Unterhaltung im langweiligen Sommerprogramm nicht erfüllt werden kann. Es nennt sich Sommerloch und es wurde von den Produzenten von SF noch tiefer gegraben. So nähert sich das Zusammenleben der Pfahlbauer diesen Sommer nicht annähernd an das in den USA durchgeführte Experiment mit Wärtern und Gefangenen, alternativ die gleichnamige deutsche Verfilmung an.
Seien wir doch mal ehrlich. Wer möchte schon in den Ferien noch etwas über die Pfahlbauer, geschweige denn überhaupt etwas lernen. Man lechzt nach Entspannung und nach höchstens leichter intellektueller Anregung. Falls es doch dazu kommen sollte, finden sich in jeder Bibliothek Regale mit Geschichtsbüchern. Geht man nun dem hintersten Regal entlang bis an dessen Ende und bückt sich nach ganz unten, findet sich dort eventuell ein Exemplar zum Leben der Pfahlbauer. Eventuell sage ich darum, dass sich das erwähnte Buch um dessen Ausleihefrequenz zu steigern in der Kindersektion befinden könnte. Der Fernsehzuschauer hofft auf Streit, Menschen an ihren Grenzen, leichtes Blutvergiessen, wüste Beschimpfungen, Konsum von pfahlbauerischen, pflanzlichen Drogen und ein Ausbruch aus dem Camp mit der anschliessenden Jagd. Nichts dergleichen fand statt. Alle Teilnehmer schienen irgendwie nur unter dem Einfluss von stimmungshebenden Drogen zu stehen. Das nichtendenwollende Grinsen liess keinen anderen Schluss zu. Oder wer bekam schwitzige Handflächen oder musste sich den Bauch halten vor Lachen, als eine der Frauen aus Kräutern eine Pflegespühlung herstellte? Niemand. Der lethargische Zustand übertrug sich in seltsamer Weise unaufhaltsam auf den Zuschauer, sodass es in meinem Fall nicht mehr möglich war den Kanal zu wechseln, geschweige denn auszuschalten und aufzustehen. Hat sich das Schweizer Fernsehen dazu verpflichtet keinen Spass und Unterhaltung zu zeigen? Daran kann es nicht liegen. So führen uns das ganze Jahr über Sendungen ohne jeden Sinn und Zweck durch das Nachmittags-, Vorabend-, und Abendprogramm. Oder musste alles was Sven Epiney das Jahr über verbrochen hatte, kompensiert werden? Ausgerechnet im Sommer soll der Quatsch ein Ende haben und der Public Service-Auftrag ernst genommen werden?
Eine Meldung liess die Hoffnung in mir aufkeimen. Frank Baumann lanciert eine neue Sendung! Gerne erinnere ich mich zurück an die Sendung „Ventil“. Frank Baumann will in der neuen Sendung mit Prominenten in einem Boot fischen gehen ohne ein Wort zu wechseln. Seite an Seite mit DJ Bobo ohne dass dieser den Mund aufmacht. Ein wunderbarer Gedanke, finden Sie nicht? Noch nie da gewesen. Sie fragen sich nun vielleicht, wieso ich nicht einfach den Fernseher ausschaltete und den warmen Abend draussen verbrachte. Ist ja wohl mir überlassen, wie ich den Abend verbringe. Ich hab’s ja zu Beginn erwähnt. Es ist Sommer und ich sehne mich nach Sinnlosigkeit und lege meine Vernunft in den Liegestuhl an der Sonne der simplen Unterhaltung. Wie haben Sie denn ihre Sommerabende verbracht? Hungernde Kinder gerettet? Die Existenz von Gott bewiesen oder widerlegt? Einen Krieg beendet? Jeden Abend mit guten Freunden gegrillt? Gute Gespräche bei einem guten Glas Wein geführt? Sollten Sie auf eine der Fragen mit Ja antworten können; hier ein „Bravo“ und ich applaudiere. Ansonsten leckt mich an meinem bleichen Arsch!