
Kennen Sie das Gefühl kurz vor Weihnachten, wenn sie den Briefkasten öffnen dieser ein farbiges Paket beherbergt? Ein Kribbeln lässt sie erahnen, dass es ein Geschenk sein muss. Nun, heute ist mir dies nicht passiert. Ich öffnete den Briefkasten, in derselben Weise, wie ich dies zu Weihnachten zu tun pflege. Anstelle eines farbigen Päckli fand sich im Inneren des Kastens eine Zeitung die an Farbenfröhlichkeit einem Weihnachtspaket in nichts nachsteht. Gross prangert der Name der Zeitung zuoberst. St. Galler Nachrichten. Mein Blick schweifte, angezogen von grossen, roten und schwarzen Lettern, nach unten und ich las: „Geheimplan gegen Blocher“. Mir fiel die Zeitung beinahe aus der Hand. Ich begab mich verwirrt in die Wohnung und schlug das Druckerzeugnis auf und stellte fest, dass unterhalb der Erklärung um die Verschwörung gegen Blocher, Christoph Mörgeli meinte, dass er ebenfalls noch eine Tastatur bedienen sollte. So listet er, einer Todesliste gleich, alle diejenigen auf, die Blocher abwählen wollen. Dass die von Mörgeli genannten Personen Blocher abwählen wollen, ist etwa im selben Mass überraschend, wie dass Dr. House einen Patienten vorfindet der scheinbar nicht zu heilen ist, schlussendlich aber doch auf Aspirin reagiert, da es nur eine Migräne war obwohl der Patient von einer Schlange gebissen und fünf Skorpionen gstochen worden ist.
Aber zurück zum Thema. Dies war nur die Frontpage. Wendet man die Seite so lächelt mir ein Gesicht entgegen, dass zu der Stimme aus dem Radio passt, welches ich nie höre. Toni Brunner streckt sich über eine halbe Seite und wirbt für seine Wahl in den Ständerat. Die zweite Hälfte der Seite bedeckt ein mit drei roten Siegeln und den Unterschriften von Ueli Maurer und Caspar Baader versehener „Vertrag mit dem Volk“. Erst danach fing die eigentliche „Zeitung“ an.
Wären die St. Galler Nachrichten ein davongelaufenes Kind und die Eltern würden mich fragen, ob ich es gesehen hätte, würde ich folgendes antworten: „Es ist ganz hinten rechts. Dort wo der Boden schon leicht braun ist. Dort ist es normalerweise zu finden…“ Fährt man von St. Gallen Richtung Wittenbach so befindet sich die Redaktion an der Langgasse auf der linken Seite. Ob die dies wohl wissen? Ob wohl alle Mitarbeiter von Wittenbach her zur Arbeit kommen müssen um sich nicht nach links bewegen zu müssen?
Nach dem Schrecken der zwei ersten Seiten der St. Galler Nachrichten, meldete ich mich bei einer nahestehenden Person, die zweifelsfrei ähnlich reagiert haben muss. Diese Person sagte mir, dass sie schon bei der Zeitung telefonisch nachgefragt habe, was das soll und forderte mich auf dies auch zu tun. Also tat ich es dieser Person gleich und rief bei der Redaktion an. Eine freundliche Dame am anderen Ende der Leitung nahm meine Reklamation geduldig entgegen. Es wurde mir nahegelegt direkt mit dem Verlag Kontakt aufzunehmen. Ein klares Zeichen, dass ich nicht der einzige Anrufer zu diesem Thema war. Ich wählte die mir mitgeteilte Nummer und rief im Verlag an.
Dort nahm eine ebenfalls nette Dame meine Frage entgegen. Doch sie konnte mir nicht abschliessend darauf antworten, ob die St. Galler Nachrichten ein Parteiblatt der SVP oder eine unabhängige Zeitung sei. Sie meinte nur, dass es sich um eine Anzeige der SVP handle. Dies war mir nicht entgangen gute Dame. Wie auch. Darum rief ich ja an!!! Ich wollte jedoch wissen warum diese zuvorderst in der Zeitung und direkt unter dem St. Galler Nachrichten Schriftzug zu finden sei. Sie nahm meine Fragen, mit dem Versprechen alles dem Verlagsleiter weiterzureichen, entgegen. Bevor unser Gespräch durch das bekannte drücken der roten Taste endete, fragte ich noch, ob noch mehr Leute deswegen angerufen hätten. Sie bejahte und ich dankte ihr und legte auf.
Für alle die sich bei wegen der SVP-Anzeige beschweren oder einfach den St. Galler Nachrichten klar machen wollen, dass diese Zeitung unlesbar ist, hier die Nummer:
071 913 47 11 und Herrn Zehnder verlangen. Ist er „ausser Haus“ wie es bei mir der Fall war, so nimmt sicher jemand die Nachricht entgegen. e-mails an: info@st-galler-nachrichten.ch
Je mehr desto besser. Viel Spass!
Dr. Klinken



