
Ueli Maurer prostituiert sich passend zum Wahljahr wiedermal auf dem politischen Strassenstrich mit provokativen Thesen zur Schweiz. An der Delegiertenversammlung der SVP in Lugano erbricht er wiedermal den bekannten SVPschen Mageninhalt. Aber ganz so einfach ist es nicht. Ueli Maurer lehrt uns wichtige Lektionen und bessert unser Vokabular auf:
1. Nach Maurer wurzelt die „Gesetzlosigkeit“ und „Barbarei“ , die in der Schweiz zu finden sei, in der „Multikulturalität“.
Ach wie schön, wenn Ausdrücke wie „Gesetzlose“ und „Barbaren“ wieder in unserem Alltagsvokabular zu finden sind. Wie haben mir doch die Worte gefehlt, als sich nach dem letzten Fussballspiel die Fans die Köpfe einschlugen. Nun weiss ich es. Es sind Barbaren! Dass die Ursache dafür in der Multikulturalität zu finden ist wusste ich nicht. Oder der dunkelhäutige Mann, dem ich eines Abends im Stadtpark begegnete…er hat mir zwar nichts angetan, aber er sah bedrohlich aus und ich fühlte mich sehr unwohl. Früher nannte man diese Menschen wohl „Sans Papier“. Dank Ueli Maurer weiss ich jetzt besser. Es sind Gesetzlose! „Verlasst unsere Stadt, Gesetzloser!“
2. Masseneinwanderung und Masseneinbürgerungen hätten der Schweiz vielerorts
das traditionelle freundliche Bild geraubt, sagte Maurer. An dessen Stelle
träten «multikulturelle Brutalität», Gesetzlosigkeit und Barbarei, wie sie
die westeuropäische Tradition nicht kenne.
„Das traditionelle freundliche Bild…“ Oh, wie vermissen wir das „traditionelle freudliche Bild“! (Das was?! Ist auch nicht wichtig. Es hat auf jeden Fall mit Tradition und Freundlichkeit zu tun)
Also. Das traditionelle Bild ist weg. Wessen Schuld ist das? Antwort:
Masseneinwanderung und Masseneinbürgerungen. Einfachste Mathematik. Masseneinwanderung…mal sehen…die grösste Einwanderergruppe sind…Richtig! Die Deutschen.
Die Lösung für bereits eingebürgerte Ausländer, die gegen das Gesetz verstossen, lautet nach Maurerscher’ Theorie: Den Pass wegnehmen. Aber klar doch! Das wird jeden wieder auf die richtige Bahn bringen. „Du hast geklaut. Jetzt nehm ich dir den Pass weg!“ Ok. Inwiefern dies zur Problemlösung beiträgt wird nicht weiter erläutert.
Die seelische Lücke, welche das verschwundene traditionelle freudliche Bild hinterlässt wird nach Maurer also mit multikultureller Brutalität gefüllt. Was zum Geier ist denn „multikulturelle Brutalität“? Wäre nicht das Gegenteil in Form der arischen Brutalität passender? Es sind doch so viele Deutsche die kommen…
Sehr geschickt stellt Maurer auch Gewalt von Barbaren, Multikulturellen und Gesetzeslosen, westeuropäischer Tradition gegenüber. Welch ein Vergleich. Ernsthaft behauptet er, die westeuropäische Tradition kenne keine Gesetzlosigkeit und Barbarei. Lieber Herr Maurer. Na dann fragen sie doch den hauseigenen Historiker mal, wie es denn die letzten Jahrhunderte so mit der Gewalt in Westeuropa (Schweiz inklusive) so aussah. Kreuzzüge, Napoleon, Schweizer Söldner, die Römer, drittes Reich, usw…sogar Tell war bekannterweise der Sage nach nicht gerade nur diplomatisch und wortgewandt.
Freundliche Grüsse
Ihr Dr. Klinken
